Neben dem Freibad steht schon die erste Wand


Das Regenrückhaltebecken ist derzeit Neumarkts größte Baustelle - Vorgeschmack auf das Ganzjahresbad.

NEUMARKT - In Neumarkts tiefster Grube geht es voran: Bis zum Jahresende sollen die meisten Wände des dreikammerigen Regenrückhaltebeckens aufgerichtet sein. Die Zeit drängt, schließlich wird der Platz im Sommer 2017 für die Baustelle des Ganzjahresbads benötigt.

Der Stadtrat hat gestern Abend endgültig den Weg freigemacht für das Ganzjahresbad. Auch wenn Ursula Plankermann (SPD) erneut das Thema Parkplätze auf das Tapet brachte. "Wir gehen sehenden Auges in ein Parkchaos hinein." Ihr pflichtete Markus Ochsenkühn (CSU) zwar bei. Doch am Ende war die Abstimmung nur eine Formalität, es gab gerade einmal sechs Gegenstimmen.

Im Februar beginnt wahrscheinlich die Freilegung des Baufelds an der Mühlstraße. Ab April oder Mai kann dann mit den eigentlichen Bauarbeiten losgelegt werden. Dagegen wird die Grube an der Ecke Seelstraße/Sandstraße geradezu klein wirken.

Doch derzeit ist es die größte städtische Baustelle. 9,70 Meter geht sie in die Tiefe; für die Bauarbeiten ist der Grundwasserspiegel um drei Meter abgesenkt worden. Fünf Brunnen sind notwendig für die Bauwasser-haltung. Die Seiten sind mit mächtigen Trägerbohlwänden abgesichert. "Wir mussten soweit in die Tiefe gehen, weil der Kanal in der Seelstraße auf fünf Meter Tiefe liegt", sagt Projektleiter Michael Hacker vom Ingenieurbüro Petter.

Schlossweiher bleibt sauber
Das 2100 Kubikmeter Wasser fassende Bauwerk ist der Schlusstein einer ganzen Reihe von Maßnahmen. Zuvor wurde schon der Kanal in der Wirschingstraße, in der Seelstraße und in der Mariahilfstraße ertüchtigt. Bisher läuft bei starkem Regen das überschüssige Wasser in den Schlossweiher. Es ist eine unappetitliche Brühe, weil in den Rohren auch die Hausabwässer in Richtung Kläranlage fließen. Vor allem der erste Schwall ist hochgradig belastet.

Wenn künftig der Kanal voll ist, läuft das Wasser über eine Schwelle und füllt nach und nach die drei Kammern, die ebenfalls durch Schwellen getrennt sind. Strahllüfter halten das Wasser in Bewegung, so dass sich kein Schmutz absetzen kann. Hat sich die Wetterlage entspannt, wird das gespeicherte Mischwasser über ein Entleerungspumpwerk dem Klärwerk zugeführt.

Drei Millionen Euro kostet das unterirdische Bauwerk. Grundlage ist der Generalentwässerungsplan der Stadt Neumarkt. Er wird seit Jahren nach und nach abgearbeitet und soll am Ende Überschwemmungen oder Hochwasser im gesamten Stadtgebiet vorbeugen. Durchaus mit Erfolg, wie OB Thomas Thumann aus eigener Erfahrung weiß. "Früher musste ich in Holzheim nach starkem Regen öfter Mal die Feuerwehr rufen, um den Keller wieder auszupumpen", sagt er.

Allerdings hat diese Sicherheit auch ihren Preis. Seit 2014 hat die Stadt rund 14 Millionen Euro in ihr Kanalsystem investiert. Bis 2020 sind noch einmal fast 20 Millionen Euro vorgesehen.

Abwassergebühr steigt
Das ist ein wichtiger Grund für die Erhöhung der Entwässerungs-gebühren, die der Stadtrat gestern Abend beschlossen hat. Für einen Kubikmeter Schmutzwasser sind ab dem kommenden Jahr 1,67 Euro fällig. Bisher sind es 1,48 Euro. Für das Niederschlagwasser berechnet die Stadt künftig 26 Cent pro Kubikmeter. Bisher sind es 22 Cent.

Zurück zu Neumarkts größter Grube: 11 000 Kubikmeter Erde wurden ausgehoben, das sind rund 1200 Lkw-Ladungen. Etwa die Hälfte davon lagert derzeit im Faberpark an der Remontenstraße. Der Sand wird im Frühjahr wieder zur Baustelle gefahren, um das Bauwerk zu hinterfüllen. Bis dann die versprochenen 100 Parkplätze kommen, dauert es allerdings noch. Denn erst einmal wird das Areal benötigt, um dort Maschinen und Material für die Baustelle des Ganzjahresbads abzustellen.

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Foto: André De Geare
Artikel: Hauke Höpcke
NEUMARKT STADT UND LAND - NEUMARKTER NACHRICHTEN
Ausgabe am 24.11.2016 - Seite 29