34 Millionen Euro für weiches Wasser


Moos. 30 000 Kubikmeter umbauter Raum in der Größe zweier Fußballfelder, 8000 Kubikmeter Beton, 800 Tonnen Stahl und 15 Planungsbüros, die im abgelaufenen Jahr rund 15 Millionen Euro verbaut haben: Das neue Wasserwerk des Zweckverbandes Wasserversorgung Bayerischer Wald am nordöstlichen Ortsausgang von Moos ist mitsamt dem neuen Verwaltungsgebäude ein Bauwerk der Superlative. Gestern wurde auf der Baustelle das Richtfest gefeiert, zuvor hatte Professor Rudolf Metzka in der Verbandssitzung im Rathaus das Projekt genauer vorgestellt.

Steigende Nitratwerte im Grundwasser, hohe Kalkwerte und versiegende Quellen haben bereits in den 1990-er Jahren die Notwendigkeit einer Verbesserten der Wasseraufbereitung erkennen lassen. Nach ersten Planungen und Pilotversuchen wurde die Umsetzung jedoch zurückgestellt, da zunächst die rechtlichen Grundlagen für die Grundwasserentnahme geschaffen werden mussten. Bereits damals war von Kosten in Höhe von 60 Millionen D-Mark die Rede. Jetzt sind insgesamt 34 Millionen Euro veranschlagt, um künftig auch die Menschen südlich der Donau mit weichem Waldwasser zu versorgen. Landrat Christian Bernreiter sieht das Geld als Investition in die Zukunft zur Sicherung der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung. Das hohe Gut Wasser müsse weiter in der Zuständigkeit öffentlicher Hand bleiben. Finanziell und zeitlich liege man gut im Plan, die Fertigstellung ist für Ende des Jahres terminiert. Auch Werkleiter Hermann Gruber sprach von einem straffen Zeitplan, der nur durch stetige Arbeit bei Wind und Wetter einzuhalten sei.

Wie Professor Metzka ausführte, erfolgte nach der Analyse der alten Planung eine Neuberechnung. Die Baukörper wurden gewandelt, das Pumpwerk optimiert. Im Oktober 2013 wurde nach Entwicklung des gesamten Standortes die Planung abgesegnet, im September 2014 beschloss die Verbandssitzung, auch die WBW-Verwaltung in einem neuen Zentralgebäude mit Rechenzentrum in Moos anzusiedeln. Das wirtschaftlichste Angebot in der europaweiten Ausschreibung gab das Ingenieurbüro Gerhard Petter aus Neumarkt i.d.OPf. ab, Spatenstich war im November 2015. Petter hatte bei der Planung der riesigen Baugrube vor allem mit dem hohen Grundwasserstand zu kämpfen, der umfangreiche Spundungen erforderte.

Als "Meilenstein" bezeichnete Professor Metzka das Einbringen der zwölf Großbehälter im Wasserwerk: Diese konnten nach neun Monaten Vorlaufzeit aufgrund ihrer Größe zunächst auf dem Wasserweg und dann auf der Straße nur nachts mit Tiefladern transportiert werden. "Jetzt ist der Deckel drauf", unterstrich Metzka: Beide Gebäude seien überdacht.

Heuer nehmen die Arbeiter den Innenausbau in Angriff, parallel läuft die Gestaltung der Außenanlagen. Die Vergaben erfolgen im Februar, im März ist Baubeginn. Die Ausschreibung des Gesamtprojekt geschieht in 50 Einzelpaketen. Die letzten Aufträge werden im Mai/Juni vergeben, den Abschluss bilden die Reinigungsarbeiten im Herbst. Bis Ende des Jahres soll die Anlage in Betrieb gehen. "Ein ehrgeiziges Ziel", wissen Professor Metzka und Werkleiter Gruber.

Allein 23,2 Millionen Euro kostet der Bau des Wasserwerks, vier Millionen Euro sind für das Verwaltungsgebäude kalkuliert, 1,4 Millionen Euro für die Außenanlagen. Die Hälfte der Gesamtsumme ist bereits verbaut.

Landrat Bernreiter lobte die wichtige und richtige Entscheidung zur Daseinsvorsorge. Es seien sogar Möglichkeiten geschaffen worden, die Anlage später nochmals zu erweitern. Die Gebühren würden sich dadurch nicht drastisch erhöhen, sondern laufend moderat angepasst.

Mit einem Stamperl Schnaps stieß der Landrat auf dem Dach des Wasserwerks mit Verbandsräten, Architekten, Planem, Bauarbeitern und Ehrengästen auf den großen "Freudentag" an. Den Richtspruch sprach Max Wurm, der Polier der Baufirma Pfaffinger. - sch

Text und Fotos: PNP/Schiller
OSTERHOFEN - Passauer Neue Presse | Zeitung für Niederbayern und Altötting
Ausgabe am 20. Januar 2017 - Nummer 16 / Seite 25